| Von Rosenhagen nach Wackerballig
Schleswig-Holsteins Ostseeküste in sechs Etappen zu
51/43/18/26*/23*/52 km,
davon zwei* Etappen mit leerem Boot - dank eines land
support.
Jübermann TA 1
BSH Sportbootkartensatz 3004
Revierführer Ostsee DSV-Verlag
Donnerstag, 19.8.2010
(Abends) „Hallo Peter, hier ist Andreas, rate mal wo ich
gerade bin?“
„Auf Spiekeroog, Seekajakwoche!“
„Nein, in Rosenhagen.“
Wir verabreden uns zu einem Klönschnack für den nächsten
Morgen .
Freitag, 20.8. (51
km)
Stolz erzähle ich Peter von meinen Rollen rechts- und
linksherum und dem immer funktionierenden reentry and roll. Oh, hätte
ich doch nichts gesagt...
Peter fragt, ob er mich ein Stück begleiten darf. Na klar.
Um 9.30 h wollen wir auf dem Wasser sein.
Ich sitze um 9.15 h im Boot. Balance brace klappt
gut. Bei der Rolle komme ich nicht rum. Steige aus, reentry and roll
klappt nicht. Schließlich doch, habe aber so viel Schwung, dass ich auf der
anderen Seite wieder reinfliege. Als Peter angepaddelt kommt, hänge ich neben
dem Boot.
Ist mir das peinlich! Denkbar schlechter Auftakt für eine
Solo-Tour.
Aber Peter ist in solchen Situationen immer sehr konstruktiv
und aufbauend. Wir üben Kentern und Aufrollen auf der selben Seite. Klappt gut.
Wir paddeln los.
In der Mitte der Neustädter Bucht verabschiedet sich Peter.
Er paddelt nach Niendorf, wo er ein gutes Fischlokal kennt. Gestärkt wird er
dann den Heimweg gegen den Wind antreten. Gerne würde ich ihm folgen, aber ich
will heute und morgen viel Strecke machen, um die Warngebiete Putlos und
Todendorf am schießfreien Wochenende hinter mich zu bringen.
Ich bin nun allein inmitten der Bucht. Das Ufer ist weit
entfernt. Dass ich mich nun doch nicht auf meine Rolle verlassen kann, gibt mir
ein ungutes Gefühl. Ich konzentriere mich auf saubere Paddelschläge, das gibt
Sicherheit.
Kurze Pause am LT Pelzerhaken.
Zweite Pause am Rosenfelder Strand (FKK). Fühle mich dort overdressed.
Komme gut voran, meist 7-8 km/h bei leichtem Rückenwind und
kleinen Wellen, die aber nicht zum Surfen geeignet sind.
Samstag, 21.8. (43
km)

Fehmarnsund-Brücke
Einige Tage später wird hier eine große Welle stehen und die
Brücke wird gesperrt sein für Autos mit Aufbauten.
Sonntag, 22.8. (18
km)

Freie Fahrt durchs Warngebiet Todendorf
Montag, 23.8. (26
km)
Nach dem überaus starken Regen ist der Morgen wieder sonnig.
Schwacher Wind aus SE. Laut Barometer ist der Luftdruck in freiem Fall. Ab
Mittag soll der Wind auf SW drehen. Trotz des bevorstehenden Sturms ausgiebiges
Rollen. Balance brace, Rolle rechts, Rolle links. Schade, dass Peter
nicht zuschauen kann.
Bald mehr Wind und höhere Wellen von achtern. Surf mit 9,2
km/h. Eintrübung, vereinzelte Regentropfen.

Einfahrt in die Kieler Förde
Marinedenkmal Laboe im Dunst. Bin noch unentschlossen, ob
ich überhaupt queren soll. Wenn, dann in Höhe Möltenort. Ein Bojenfeld um ein
Flachwasser bringt mich in die Nähe der FW-Tonnen 5 und 6 in Höhe des
Marinedenkmals. Die Förde ist hier 3 km breit.
Zwei Frachter warte ich ab. Dann quere ich doch und paddle
nach Friedrichsort, wo es neben dem Fähranleger einen kleinen Sandstrand zum
Anlanden gibt.
Kiel-Holtenau ist mir vom Nanuk-Navigationsworkshop 2007
wohlvertraut. Mit meinem land support gehe ich zum
„Schiffsausrüster Herrmann Thiessen“, einem (auch durch einen „Tatort“ mit Axel
Milberg) bekannten Lokal.
Advanced base camp in Grönwohld auf dem
Südufer der Eckernförder Bucht. Eine Art Tropensturm fegt das Tarp hinweg. In
einer Regenpause gehe ich zum Strand. Mit dem Fernglas suche ich die gelben
Tonnen des Warngebietes und beobachte ein U-Boot sowie einen Kreuzer.
Dienstag, 24.8.
Umfangreiches Sturmtief über dem Skagerrak mit Trog über
Schottland. Heute kein Paddeln.
In Eckernförde frage ich den Hafenmeister, ob man, wie ich
gehört hätte, an der Signal- und Messstation Aschau (Sperrgebiet) dicht unter
Land vorbeipaddeln kann. Er meint, ja.
Mittwoch, 25.8.
(23 km)
Zu dem umfangreichen Sturmtief hat sich noch ein zweiter
Trog gesellt. W 6, Böen 9. Station Kiel Holtenau meldet jedoch nur SW 3 und LT
Kiel WSW 5.
Einsetzen in Kiel Friedrichsort neben dem Fähranleger.
Kabbelwasser. Halte auf den LT Friedrichsort zu. Ohne mein Zutun gerät das Boot
ins Surfen.
In der Strander Bucht viele Surfer und Segler. Wenige
sonnige Abschnitte, dafür heftige
Schauerböen, die mir das Paddel aus den Händen reißen wollen.
Auf den letzten Kilometern kreuzen ständig Kite-Surfer
meinen Kurs. Von allen sechs Etappen ist dies die stressigste.
Donnerstag, 25.8.
(52 km)
Das Sturmtief tobt sich nun im finnischen Meerbusen aus, die
beiden Tröge sind in Südnorwegen und Polen.
Schwach umlaufende Winde. Die Eckernförder Bucht ein
Ententeich.
Noch während ich die Spritzdecke schließe, bin ich
unentschlossen. An den östlichen Tonnen des Warngebietes queren? Hieße 7 km
Querung.
Die Bucht ausfahren am Stützpunkt Aschau vorbei? Wären 23
zusätzliche Kilometer.
Da kommt der Surflehrer vorbei.
„Querung direkt 5 km.“
„Da quer rüber? Das geht?“
„Na klar, heute jedenfalls. Wenn geschossen wird, kreist da
ständig ein Hubschrauber. Kenne mich aus, wohne hier seit 30 Jahren.“
Also quere ich direkt. Nur ganz leichte Brise aus
wechselnden Richtungen. Im Funkgerät meldet sich „warship Brandenburg“.
Höre etwas von „firing in Stoller Grund“. Das Gebiet liegt zwischen
Kieler Förde und Eckernförder Bucht.

LT Schleimünde
Der Wasserwanderrastplatz Schleimünde mit seinem Leuchtturm
und dem Hafenmeisterbüro wirkt sehr romantisch. Die Hafenkneipe „Giftbude“ hat
leider geschlossen – sehr zum Bedauern des Zollbootes, das, wie ich, die Küste
hochfährt.

LT Kalkgrund
Hinter dem ehemaligen LT Falshöft kommt der LT Kalkgrund in
Sicht. Querab Steuerbord sehe ich baumbestandenes Land. Gar nicht weit. Soll
ich nicht doch einen Schlenker nach Dänemark machen? Scheint nicht weit zu
sein. Aber halt.... Ærø liegt 25 km entfernt. Das kann ich doch gar nicht sehen
bei meiner Kimmentfernung von 3,2 km! Luftspiegelungen, Fata Morgana!
Die Sonne steht schon tief, als ich in Wackerballig anlande.
Der land support hat das Zelt bereits aufgebaut – mit
Blick aufs Wasser. Schöner Sonnenuntergang mit Altocumulus vesperalis.
SMS an Peter, dass ich gut angekommen bin.
©
2010 Andreas Lichtschlag
|